Goa – Uff!

Was wir in Goa machen wollten: Sonne, Strand und Meer genießen, ecstatic dance, Parties und Substanzen, fantastisch essen gehen, Royal Enfields leihen und damit herum fahren,…
Was wir bisher so gemacht haben: Vor allem in Hotelzimmern und im Krankenhaus rumliegen und leiden (zum Glück nicht nur).

Die Anreise nach Goa war verhältnismäßig langwierig aber reibungslos und entspannt. Wir sind mittlerweile ein eingespieltes Team, sowohl organisatorisch als auch menschlich, was alles noch einfacher macht. Wir genießen kurz unser wirklich schönes Hotel mit Pool, ruhigem Garten und funktionierender Klimaanlage und ich komme gerade in Urlaubsstimmung, als mein Gefährte wieder krank wird. Ich kümmere mich, hole Medikamente und wir bleiben also viel zu Hause – ist ja kein Problem. Als er sich wieder erholt hat, schwänze ich den geplanten ecstatic dance, denn wir haben einen unerwartet lustigen Abend am Pool, in dem wir Ball spielen und uns danach gemütlich einen kleinen Rausch antrinken. Einmal essen wir in einem unfassbar schönen Restaurant direkt am Strand zu abend und zwar ein fantastisches Rinderfilet – und dann am nächsten Abend gleich nochmal weil es so gut und so günstig war. (Meine einzigen Fleisch-Ausnahmen bisher übrigens) Dann machen wir einen kleinen Ausflug mit unseren Rollern, fahren relativ ziellos Richtung Süden bis an einen idyllischen Strand, an dem Kühe und Hunde chillen. Es ist super stürmisch, was aber angesichts der Hitze sehr angenehm ist. Mir ist es trotzdem irgendwie zu warm und zu staubig auf den Straßen und irgendwie bin ich nicht ganz fit. Immerhin komme ich noch dazu, mir zwei tattoos stechen zu lassen. Die Worte für Magie und Vertrauen in Sanskrit. Fingertattoo kann ich nur bedingt empfehlen – das tut wirklich Sau weh, haha.

Einen Tag später bin ich dann krank. Husten, Schnupfen, Fieber. Also liege jetzt ich herum, während mein Gefährte mir Medikamente bringt, sich um mich kümmert und zwischendurch wenigstens ein bisschen Goa genießt. Nach zwei Tagen ist der Spuk vorbei. Wir verlängern unseren Aufenthalt in Arambol, weil wir beide fit sein wollen für unser nächstes Ziel etwas weiter südlich (haha). Gut gelaunt kommen wir in Chapora an. Hier ist die Party-Hochburg von Goa und wir hoffen, wenigstens auf ein, zwei der legendären Psytrance Parties gehen zu können und auch unsere anderen Pläne noch umsetzen zu können. Abends bestellen wir uns essen vom Lieferservice und dann…
Eskaliert es leider gesundheitlich bei mir. Ich hatte ja in den letzten Monaten ein, zwei mal mit Magen-Darm-Sachen zu tun (unvergessen die legendäre Kotzerei am Zen-Beach, haha), die waren aber relativ harmlos und vor allem schnell vorbei. Auch sonst bin ich in der Hinsicht nicht empfindlich. Hier ist das aber eine andere Hausnummer! Innerhalb von 24 Stunden war ich so dehydriert, dass ich zu schwach war zum gehen, sprechen, wasauchimmer. Ich konnte nicht den kleinsten Schluck Wasser bei mir behalten und hab die halbe Nacht auf dem Badezimmerboden verbracht, mich vor Schmerzen krümmend. Wer mich kennt, weiß, dass ich eine echte Abneigung gegen Krankenhäuser habe und das ist im Ausland nochmal stärker. Aber nach dieser Nacht war mir wirklich alles egal und ich hab mich in ein Krankenhaus bringen lassen, das zwar 20 Minuten Fahrt entfernt war, aber immerhin gute Bewertungen auf google maps hatte.

Zum Glück hab ich das getan. Nach einem Liter Kochsalzlösung intravenös und diversen Medikamenten hab ich mich etwas weniger nach sterben gefühlt. Eingedeckt mit noch mehr Medikamenten für alle Beschwerden durfte ich dann wieder nach Hause. Langsam wieder anfangen zu essen, trinken können so viel ich Durst habe und mich nicht mehr so elend fühlen – Hallelujah! Heute war ich dann zum ersten Mal wieder aus dem Zimmer draußen und ein bisschen am Pool. Mit etwas Glück hab ich morgen oder übermorgen wieder so viel Energie, dass ich mitkommen kann an den Strand zum Sonnenuntergang und für ein Abendessen. Ansonsten wars das wohl für mich mit Goa. Wies mir damit geht? Eigentlich ganz okay. Natürlich hatte ich mich auf alles gefreut, das es hier so zu erleben gibt, aber was soll man machen? Goa war keins meiner absoluten Traumziele und es ist definitiv auch eines der Reiseziele, die ich recht einfach wieder besuchen kann, wenn ich will.
Was mir eher zu schaffen macht, ist der Gedanke an Abschied.

Nicht einmal so sehr der Abschied vom Reisen. Vielleicht auch weil Indien nicht so das absolute Wohlfühlland war und ich mich unsagbar auf trinkbares Leitungswasser und „ungefährliches“ Essen freue. Ich bin auch unheimlich erfüllt mit Dankbarkeit für alles, was ich erleben durfte. Für alle Begegnungen, für alle Orte, für alle Erlebnisse. Sehe ich mir die Bilder der letzten Monate an, erinnere ich mich an alles davon, an alle Gefühle und viele Details. Ich freue mich auf Zuhause, auf meine Familie und meine Freunde, auf meine Tiere und mein Motorrad, auf den Attersee und österreichisches Essen. Ich freue mich auf mein Bett und auf alle Annehmlichkeiten, die mein Leben zu Hause mir bietet. Mit all dem bin ich zwar wehmütig – aber doch im Frieden. Was mir zu schaffen macht, ist der Gedanke an den Abschied von Jack, meinem Gefährten. Mehr als sechs Wochen lang haben wir beinahe 24/7 zusammen verbracht. Wir haben zusammen gelacht und uns getröstet, haben uns umeinander gekümmert und haben gelernt mit den Unterschieden zwischen uns umzugehen, ohne uns in die Haare zu bekommen. Wir haben einen Alltag entwickelt, der niemals langweilig geworden ist. Wir haben offene Gespräche geführt und uns immer besser kennen gelernt. Manche Anfangseuphorie ist abgeflacht, dafür ist anderes zwischen uns stärker geworden. Als es mir so schlecht ging, ist er zwei Stunden durch die Hitze gelaufen um eine offene Apotheke zu finden, hat sich um Taxi und alle Erklärungen im Krankenhaus gekümmert, weil ich zu schwach war. Wir halten uns in den Armen, reden Blödsinn oder diskutieren über Politik. Wir gehen achtsam und ehrlich miteinander um. Gibt es Unmut oder troubles, sprechen wir darüber und tun beide etwas dazu, das zu ändern. Natürlich, sechs Wochen sind keine lange Zeit und ja, das hier ist nicht Alltag sondern eine Ausnahmesituation. Es bleibt aber immer noch eine besondere Verbindung und ein für mich ganz besonderer Mensch. Ich weiß, dass er mir sehr fehlen wird und die Vorstellung, so lang getrennt zu sein, macht mir zu schaffen. Andererseits weiß ich für mich, wie ich mich daran ausrichten möchte und dass schlussendlich alles so kommen wird, wie es sein soll.


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