Zwischen RomCom und Tränen im Müsli

Ich sitze im Zug von Wien nach Oberösterreich. Neben mir isst jemand Frankfurter Würstl und eine Semmel. Die Menschen sind tendenziell blass und grummelig gelaunt. Aber he, die Sonne scheint und es ist gar nicht so kalt wie befürchtet. Die letzten Tage waren achterbahnmäßig…

Die Götter waren mir gnädig und haben mich die letzten Stunden in Goa noch richtig genießen lassen. Zwar war der erste Versuch, abends auswärts essen zu gehen noch nix und musste abgebrochen werden – es gab dann aber einfach was vom Lieferdienst und wir haben’s uns zuhause gemütlich gemacht. Am Tag vor der Abreise haben wir nochmal ein sehr sehr schönes, emotionales Gespräch geführt über unsere Gefühle und die gemeinsame Zeit. Wir haben zusammen geweint, waren traurig und gleichzeitig so dankbar und so verliebt. Wir haben uns ganz fest gehalten und liebe Worte gesagt und dann waren wir ein bisschen mit dem Roller unterwegs und das war so schön! Ich hab nämlich einige Sachen nach Hause geschickt per Post, damit mein Rucksack nicht über dem erlaubten Gewicht ist. Das war gar nicht so schwierig oder teuer zum Glück – jetzt muss das Paket nur noch ankommen, haha.
Wir waren im Pool, haben gelesen und uns zwischendurch immer mal zu gezwinkert. Es war einfach nur entspannt und schön.

Zum Glück ging es mir wieder so gut, dass wir abends dann nochmal richtig fein essen waren. Beziehungsweise haben wir vorher noch kurz Halt am Strand gemacht, den ich ja davor noch gar nicht gesehen hatte. Arm in Arm unterm Sternenhimmel mit den Füßen in den Wellen sind wir da gestanden und hatten wieder mal alle Gefühle.
Das Essen war spektakulär. Direkt an den Klippen mit Blick auf Strand, Meer und Palmen, dazu wirklich wirklich gutes Essen in Hülle und Fülle und natürlich hat der bevorstehende Abschied auch dafür gesorgt, dass wir jede Minute noch mehr ausgekostet haben. Wir haben geblödelt und geturtelt und kitschige Fotos gemacht und Händchen gehalten und waren uns so einig darin, dass wir das allerbeste aus diesen paar gemeinsamen Wochen gemacht haben. Der ganze Tag und Abend war so perfekt, dass ich scherzhaft gesagt hab, mein Leben fühlt sich wirklich gerade an wie eine RomCom. Und das tats auch!
Einmal dann noch eng umschlungen einschlafen…

Am letzten Tag hatten wir noch einige Stunden Zeit vor unserem Flug, die wir wieder am Pool verbracht haben, innig und glücklich und traurig. Dann waren wir nochmal essen, zwar auch spektakulär, aber das Restaurant war nicht ganz so glücklich gewählt. Egal, wir haben’s genossen. Da unsere Flüge zur gleichen Zeit gingen, haben wir uns ein Taxi geteilt, waren schlussendlich aber etwas knapp dran. Dann hatte ich noch troubles beim check-in und die Sicherheitskontrolle hat unerwartet lang gedauert. So hatten wir dann nur noch ein paar wenige Minuten um uns zu verabschieden, was irgendwie blöd war. Ich war erst ziemlich gefasst, gefasster als mein Gegenüber. Erst als ich hinter der Ticketkontrolle im Gate war, kamen die Tränen – aber dann richtig. Es ist eine seltsame Art von Trauer, wahrscheinlich weil sie mit so vielen schönen Gefühlen einher geht. Da ist so eine unglaubliche Dankbarkeit für alles was ich erlebt habe in den letzten Monaten, so viel Stolz, dass ich all das gemacht hab, so viel Liebe für die Menschen, die ich getroffen habe und Vorfreude auf Zuhause. Und gleichzeitig der kalte Entzug von einem Menschen, der mir so dermaßen ans Herz gewachsen ist und der mir jetzt wochenlang 24/7 Liebe gegeben hat. Und den ich jetzt erstmal eine Weile nicht sehe.

Der erste Flug hat nur eine Stunde gedauert, dann zwei Stunden Aufenthalt in Mumbai. Weiter zwei Stunden nach Maskat in den Oman. Die Menschen an der Immigration waren die freundlichsten, die ich in den letzten Monaten hatte! Der Flughafen superschön, super sauber und wohlriechend. Dafür 5 Stunden Aufenthalt… Also erstmal was zu essen und dann hab ich mich auf dem Boden zusammen gerollt und versucht ein bisschen zu schlafen, viel ging aber nicht.
Dann der längste Flug mit fünf Stunden nach Istanbul und das war dann schon echt anstrengend. In Istanbul hab ich gefrühstückt und da waren dann vor lauter Müdigkeit auch wieder all die Emotionen da und auch gleich ein paar Dämonen, die mir Geschichten erzählen, die mir nicht gut tun und Angst machen. Wie unglaublich gut, dass ich Menschen habe, die genau wissen was da los ist. Also hab ich Liz eine Sprachnachrichten geschickt während ich in mein Müsli geheult hab. Sie hat mir ein wunderschönes Mantra geschickt, das mich wieder beruhigt hat und später hab ich eine Sprachnachricht von ihr und Lucas bekommen. Zu hören, dass ich geliebt und vermisst werde hat mir so so gut getan! Den Blick wieder weiter werden zu lassen auf andere Menschen, auf meinen Wert in dieser Welt – das hab ich gebraucht. Die letzten 2,5 Stunden Flug nach Wien hab ich nochmal verschlafen und jetzt sitz ich also hier und bin bald zu Hause.

Ich bin müde, vorfreudig, stolz, glücklich, traurig, ängstlich und alles mögliche. Es fühlt sich vertraut an hier und doch ungewohnt. Ich vermisse es, gehalten zu werden in Armen, in denen ich mich sicher fühl vor allem Schlechten auf dieser Welt. Aber ich spür auch dass ich liebe und geliebt werde und hey, das ises doch oder?
Noch etwas ist mir gestern aufgefallen. Ich wollte „ich liebe dich“ sagen, weil ichs gefühlt hab und hab gezögert. Das sagt man nicht nach so kurzer Zeit, das kann ja gar nicht stimmen, was denkt sich derjenige dann von mir, was wenns nicht erwidert wird,…. und so weiter. Was für ein Scheiß eigentlich! Meinen Freunden sag ich doch auch ständig dass ich sie liebe. Können wir das also vielleicht normalisieren? Ich kann jeden Menschen lieben dafür, dass er ist wie er ist. Ohne Erwartungen, ohne dass dafür irgendwas gegeben sein muss, einfach weil mein Herz voller Liebe ist für dieses Wesen vor mir. Ich will das nicht zurückhalten (hab ich dann auch nicht) oder mir blöd dabei vorkommen. Wer weiß schon, wieviele Gelegenheiten wir haben, das jemandem zu sagen, wer weiß schon wieviele Menschen uns das gern sagen würden, aber sich nicht trauen. Ob ich jemanden ein paar Wochen kenne oder viele Jahre, in welcher Beziehung wir zueinander stehen oder ob wir uns je Wiedersehen – das hat jedenfalls nichts damit zu tun, wie mein Herz empfindet. So nehm ich mir vor, das zu sagen wenn ichs fühl, ohne all die Wenns und Abers.


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